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Feuerwehr Langen: Unwetter sorgt für Ausnahmezustand und 350 Einsätze

Am Sonntagabend kam es gegen 18 Uhr zu einem schweren Unwetter. Neben erheblichen Regenmengen war es insbesondere der extreme Sturm, welcher in kürzester Zeit massive Schäden verursacht hat. Hinzu kam ein durch das Unwetter verursachter, temporärer Stromausfall. Initial wurde die Feuerwehr Langen zu einer Brandmeldung in einem Wohnhochhaus alarmiert – diese konnte glücklicherweise schnell als Fehlalarm identifiziert werden. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte, die auf die Wache eilten, brachten sich aufgrund des wütenden Sturms selbst in höchste Gefahr.

Innerhalb kürzester Zeit erreichten die Feuerwehr Langen dutzende Hilfeersuche: Umgestürzte Bäume auf Fahrzeugen und Häusern, abgedeckte Dächer, eingeschlossene Personen, defekte Aufzüge und herabgestürzte Starkstromleitungen. Der Einsatzplan für Flächenlagen lief unverzüglich an und dementsprechend übernahmen fünf Einsatzkräfte die Aufgaben in der Einsatzzentrale und dem Stabsraum, um in der heftigen Startphase zumindest die Einsatzlagen herauszufiltern, bei denen Menschenleben in Gefahr waren oder akute Schäden befürchtet werden mussten. Zur gleichen Zeit teilten sich die Einsatzkräfte der Feuerwehr Langen auf alle zur Verfügung stehenden Fahrzeuge auf, um die der höchsten Priorität zugeordneten Einsatzstellen anzufahren, die Lagen zu erkunden und Maßnahmen einzuleiten.

Auch wurden sofort drei Führungsdienste in das Stadtgebiet entsendet, welche unzählige Einsatzstellen anfuhren, um diese zu priorisieren und somit eine möglichst geordnete Bewältigung der Lage zu organisieren. Schnell wurde deutlich, dass das gesamte Stadtgebiet betroffen ist.

Von den rund 60 hochpriorisierten Einsatzstellen, die alleine am Sonntagabend zwischen 18 Uhr und Montagmorgen abgearbeitet werden mussten, stechen einige besonders hervor:

  • Auf der B486 zwischen Langen und Dreieich-Offenthal wurden dutzenden Personen in ihren PKW durch herabgestürzte Bäume und einer herabhängenden Starkstromleitung die Fluchtmöglichkeiten genommen. Hier drohten weitere umfallende Bäume Personen zu verletzen. U.a. waren hier Rollstuhlfahrer, Kleinkinder und in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen betroffen.
  • Gleiches trifft auf den Abschnitt der B486 zwischen Langen und dem Autobahnzubringer der BAB5 zu. Auch hier mussten dutzende Personen aus dem Gefahrenbereich gerettet werden.
  • Von einem Wohnhochhaus drohten Bauteile der Fassaden auf die umliegenden Straßen herabzustürzen. Hier musste die Sondereinheit „Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen“ (SRHT) der Berufsfeuerwehr Frankfurt a.M. angefordert werden, um die betroffenen Teile und somit mehrere Straßen um das Gebäude herum zu sichern.

Als besondere Herausforderung kam hinzu, dass wichtige Teile der Infrastruktur, insbesondere die Zufahrtsstraßen, nicht genutzt werden konnten. Hierdurch war es zu Beginn bspw. nicht möglich, ausreichend viele Rettungswagen an die Einsatzstellen zu beordern. Daraus resultierte, dass Verletzte (u.a. mit HWS-Verletzungen) auf die Feuerwache gebracht werden mussten, um hier die primäre Versorgung zu gewährleisten. Auch war in der ersten Phase die Kommunikation mit der übergeordneten Leitstelle nur bedingt möglich. Das begründete sich mit der enormen Anzahl der Einsatzstellen im gesamten Kreis Offenbach und der damit verbundenen Flut an Notrufen sowie der daraus resultierenden Disposition hunderter Einsatzmittel.

Neben den Einsatzkräften der Feuerwehren Langen und Frankfurt unterstützen Einheiten der Feuerwehren, Neu-Isenburg, Dreieich, Rödermark, Mühlheim sowie das THW und das DRK am Sonntagabend.

Im weiteren Verlauf der Woche mussten dann noch rund 300 weitere Einsatzstellen abgearbeitet werden (Stand 22.08.2019 – 15 Uhr). Auch hier handelte es sich um Gefahrensituationen, wie bspw. völlig abgeschnittene Gebäude, deren Bewohner dringend Medikamente benötigten oder Bauteile sowie Dachziegel und Äste, die auf Verkehrswege oder Bauwerke zu stürzen drohten. Klargestellt werden muss, dass teilweise Lagen bearbeitet werden mussten, die über mehrere Tage andauerten –diese zählten aber jeweils als ein einzelner Einsatz innerhalb der gesamt rund 350 Zähler. Einsatzstellen, die ausschließlich auf privaten Grund lagen und von denen keine Gefahr gemäß der gesetzlichen Regulierungen  ausging, wurden durch die Feuerwehr gar nicht erst angenommen bzw. abgearbeitet – hier wurden die Betreiber an Fachfirmen verwiesen.

Bei der Bewältigung der Einsätze, die seit Montag abgearbeitet wurden, musste die Feuerwehr Langen wieder auf interkommunale Unterstützung zurückgreifen. Hier leisteten die Feuerwehren Egelsbach, Neu-Isenburg, Dreieich, Hainburg und Obersthausen sowie das THW Neu-Isenburg und DRK-Einheiten aus Langen und Dreieich nachbarschaftliche Hilfe.

Der unwetterbedingte Ausnahmezustand wurde am Mittwochabend, nach vier Tagen, aufgehoben. Auch am Donnerstag sind noch Primäreinsätze gemeldet worden, die durch die Feuerwehr abgehandelt werden müssen. Mit solchen Einsätzen ist noch über die gesamte Woche zu rechnen.

Über den gesamten Zeitraum der Maßnahmen arbeitete der Stab der Feuerwehr Langen eng mit anderen Behörden und Einrichtungen, wie der Polizei, Hessen Forst, Hessen Mobil sowie den Kommunalen Betrieben, zusammen. Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung, der kommunalen Politik und vom Kreis Offenbach arbeiteten ebenfalls Schulter an Schulter mit der Führung der Feuerwehr Langen zusammen.

Nach der Bewältigung der Einsätze wird diese enorme Einsatzlage nun nachbereitet werden. Hierzu gehören ein massiver Verwaltungsaufwand und die sicherlich mehrere Tage dauernde Geräte- und Maschineninstandsetzung.

Wichtig ist uns auch zu sagen, dass die Bevölkerung ihre Feuerwehr an vielen Einsatzstellen unterstützte. So wurden Getränke, Snacks oder einfach nur Worte des Dankes überreicht. Auch auf der Feuerwache trafen immer wieder Bürgerinnen und Bürger ein, die ihre Hilfe anboten, Kuchen oder nette Grußkarten übergaben. Auch zeigte sich deutlich, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung sehr vernünftig auf die Anweisungen der Einsatzkräfte reagierte, insbesondere in Bezug auf Absperrungen.

Dass es unter den vielen positiven Beispielen auch negative zu benennen gibt, ist hingegen ärgerlich. Vereinzelt wurden Absperrungen durchbrochen, Einsatzkräfte beschimpft oder Maßnahmen behindert.

Zuletzt hervorzuheben ist das selbstlose Engagement der Einsatzkräfte. Die ehrenamtlichen Mitglieder der Feuerwehren und Hilfsorganisationen haben in den vier Tagen eine unfassbare Leistungsfähigkeit bewiesen. Alleine in Langen wurden weit über 3.000 Stunden erbracht, während denen teilweise unter Gefährdung der eigenen Gesundheit und bis zur körperlichen Erschöpfung an der Bewältigung dieser Flächenlage gearbeitet wurde. Und das trotzdem auch Gebäude und Fahrzeuge vieler Einsatzkräfte betroffen waren.

Stadtbrandinspektor Frank Stöcker und Stellvertreter Christian Buchold sind außerordentlich stolz auf die Einsatzkräfte, die, wie so häufig, persönliche Belange in  den Hintergrund stellten und diese Mammutaufgabe mit einzigartigem Engagement, unermüdlich und im höchsten Maße professionell abgearbeitet haben.

 

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